EU will den russischen Ölpreis einfrieren: Wie Sanktionen Putin reich machen

6. Juni 2026

| Lukas Steinberger

Die Europäische Union will den Preis des russischen Öls einfrieren, um zu verhindern, dass Moskau sich an der aktuellen Krise in der Straße von Hormuz bereichern könnte. Das berichtet Bloomberg, dem zufolge die Mitgliedstaaten zu dieser Hypothese gelangt seien, nachdem sie den potenziell paradoxen Effekt einer Maßnahme der EU zur Bestrafung von Wladimir Putin erkannt hätten.

Die Obergrenze für den Erdölpreis

Nachdem die Vereinigten Staaten und Israel den Iran am 28. Februar angegriffen hatten, stieg der Ölpreis kontinuierlich an. Bis heute liegt er deutlich über dem Niveau vor der Krise. Der Brent, der als Standardmaßstab für die Ölpreise an der Börse dient, überschritt am 29. Mai die Marke von 84 Dollar.

Im Jahr 2025 führte Brüssel eine technische Anpassung ein, ein dynamisches System, das die Preisobergrenze für Erdöl alle sechs Monate aktualisiert, indem sie sie um 15 Prozent unter dem Durchschnittspreis des russischen Urals senkt. Die Krise in der Straße von Hormuz hat dieses Vorhaben jedoch wirkungslos gemacht und sogar kontraproduktiv werden lassen. Tatsächlich ist die derzeitige Obergrenze auf 44,10 US-Dollar pro Barrel festgelegt, doch im Juli sollte sie überarbeitet werden, gerade weil die sechs Monate, die das europäische System vorgesehen hat, vergangen sind. In der Zwischenzeit gab es den Krieg im Iran, der die Ölnotierungen in die Höhe getrieben hat. Sollte die von Brüssel geplante Maßnahme beibehalten werden, würde die Obergrenze auf 65 US-Dollar steigen, jenseits der 60 US-Dollar, die der G7 im Jahr 2022 zur Sanktion Moskaus festgelegt hat. Daher die paradoxe Wirkung.

Was die EU vorhat

Deshalb will die Europäische Union nun rasch Abhilfe schaffen. Die „Einfrierung“ des Erdölpreises würde im neuen, dem 21. Sanktionspaket gegen Russland, enthalten sein. Brüssel zielt neben dem Rohöl auch auf weitere Öltanker der Schattenflotte, Banken, Händler, Raffinerien und Betreiber von Kryptowährungen. Die endgültige Zustimmung muss von den Staats- und Regierungschefs der EU kommen, eine einstimmige Abstimmung, die ohne Orbán voraussichtlich keine Schwierigkeiten bereiten sollte.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.