Von München nach Rom in 6 Stunden statt 9 Stunden 30 Minuten, oder von Tallinn nach Riga in 1 Stunde 45 Minuten und von Riga nach Vilnius in 2 Stunden (anstatt 6 bzw. 4 Stunden). Schnelleres, besser vernetztes und nachhaltiges Schienennetz. Das ist die Grundlage des heute von der Europäischen Kommission verabschiedeten Aktionsplans für Hochgeschwindigkeitsverkehr, der die notwendigen Maßnahmen festlegt, um bis 2040 ein zweigleisiges Netz zu schaffen, das die rund 15 000 Kilometer Verbindungen zwischen den Ländern des Alten Kontinents vereinheitlicht. Denn die 27 Mitgliedstaaten der Union arbeiten mit unterschiedlichen Tempi: Einige Länder sind Vorreiter, wie Frankreich, während andere, insbesondere im Osten, Nachholbedarf haben.
Die vier Säulen des europäischen Hochgeschwindigkeitsplans
So zielt die europäische Exekutive darauf ab, Reisezeiten zu verkürzen und den Schienenverkehr zu einer attraktiveren Alternative zum Kurzstreckenflugverkehr zu machen, wodurch mehr Passagiere gewonnen und die regionalen Volkswirtschaften sowie der Tourismus gestärkt werden. Basierend auf dem Trans-Europäischen Verkehrsnetz (TEN-T) sieht der Plan vor, die wichtigsten Knotenpunkte mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h oder mehr zu verbinden.
Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Kommission vier unterschiedliche Säulen festgelegt. Zunächst beginnt man mit der Beseitigung grenzüberschreitender Engpässe durch verbindliche Fristen, die bis 2027 festgelegt werden, und der Identifizierung von Optionen für höhere Geschwindigkeiten – auch deutlich über 250 km/h, sofern wirtschaftlich tragfähig. Dieser Prozess wird durch eine koordinierte Finanzierungsstrategie verfolgt, einschließlich eines strategischen Dialogs mit den Mitgliedstaaten, der Industrie und den Geldgebern, der zu einer Vereinbarung über den Hochgeschwindigkeitsverkehr führen soll, um die notwendigen Investitionen zu mobilisieren. Parallel dazu wird es eine Verbesserung der Rahmenbedingungen geben, damit die Eisenbahnindustrie und Betreiber investieren, innovative Lösungen entwickeln und wettbewerbsfähig arbeiten, auch durch einen attraktiveren regulatorischen Rahmen. Schließlich wird es erforderlich sein, die Governance auf EU-Ebene zu stärken, indem die Infrastrukturbetreiber aufgefordert werden, sich hinsichtlich der Kapazitäten für grenzüberschreitende Fernverkehrsdienste abzustimmen und die Standardisierung sowie die Genehmigungen zu erleichtern.
Kosten und Zeitplan
Nach Schätzungen wird der Hochgeschwindigkeitsausbau des TEN-T-Netzes, der bis 2040 abgeschlossen sein soll, rund 345 Milliarden Euro kosten; ihn so auszubauen, dass er Geschwindigkeiten über 250 km/h ermöglichen kann, könnte bis 2050 insgesamt 546 Milliarden Euro kosten. Um Investitionen anzuregen, wird die Europäische Kommission eine Finanzierungsstrategie ausarbeiten und einen strategischen Dialog mit den Mitgliedstaaten, den Finanzinstitutionen und weiteren Beteiligten aufnehmen.