Chatkontrolle: EU-Vorschlag zum Ausspähen von Nachrichten und zum Aufspüren von Pädophilen

14. September 2025

| Lukas Steinberger

Ein „Großer Bruder“, der alle Chats überwachen kann – von WhatsApp bis Telegram – um Inhalte von Kindesmissbrauch und Kinderpornografie aufzudecken und Täterinnen und Täter in Europa zu entlarven. Noch heute, Freitag, der 12. September, sollen die EU-Mitgliedstaaten über die Verordnung zur „Chatkontrolle“ abstimmen, den Vorstoß, der den Einsatz eines Algorithmus auf Messaging-Plattformen eröffnet.

Was ist die Chatkontrolle

Der Vorschlag ergibt sich aus dem Bedürfnis, Inhalte im Netz zu Kindesmissbrauch und Kinderpornografie zu identifizieren. Was wird vorgesehen? Falls Parlament und EU-Kommission zustimmen, würden Unternehmen, die verschlüsselte Software anbieten, verpflichtet, eine Vorabprüfung der Inhalte zu ermöglichen, auf der Suche nach Material, in dem Missbrauch von Minderjährigen erwähnt wird. Ein Algorithmus würde die Verschlüsselung umgehen und potenzielle Rechtsverstöße abfangen, bevor die Nachricht ihr Ziel erreicht.

Die Maßnahme zielt darauf ab, zu einer „unsichtbaren Waffe“ zu werden, um Missbrauch von Minderjährigen vorzubeugen und die Verbreitung von kinderpornografischem Material zu bekämpfen. Die Verordnung soll außerdem ein europäisches Zentrum für Missbrauch schaffen, an das alle Meldungen gelangen sollen.

Blockierte Nachrichten: Wie funktioniert das?

Wie sollte dieses System funktionieren? Falls eine Nachricht vom Chatkontroll-System abgefangen wird, prüft der Algorithmus das Vorhandensein illegaler Inhalte, indem er alle audiovisuellen Inhalte analysiert – von Bildern und Videos bis hin zu Sprachnachrichten und externen Links – aus allen gängigen Chats wie WhatsApp, Telegram und Signal, auch bei End-to-End-Verschlüsselung. Im Falle illegaler Inhalte würde das System die Weitergabe der Nachricht automatisch blockieren und den Fall den Behörden melden.

Europa geteilt: Sicherheitsbedenken

Wie das Portal Fightchatcontrol berichtet, war Dänemark der Initiator der Initiative, doch die Resonanz war nicht in allen Ländern dieselbe. Experten beunruhigt ist vor allem der Grad der Durchdringung des Algorithmus in den Kommunikationsplattformen, der die Privatsphäre der privaten Korrespondenz durchbrechen könnte.

Angesichts der Situation haben sich acht Staaten gegen die „Verschärfung“ der Chats ausgesprochen: Österreich, Belgien, Deutschland, Luxemburg, Tschechische Republik, Finnland, Niederlande und Polen. Deutschland hingegen hat nach einigen Bedenken zugestimmt. 15 Länder unterstützen die Initiative, darunter Italien, Frankreich und Spanien, während Estland, Griechenland, Rumänien und Slowenien noch zu den „Unentschlossenen“ zählen.

Neben der potenziellen Erosion der End-to-End-Verschlüsselung, der Privatsphäre und der Sicherheit in der digitalen Kommunikation besteht das Risiko, dass das System aufgrund seiner hohen Fehlerrate bei der Erkennung von Missbrauch in Nachrichten und Dateien negative Auswirkungen hat – insbesondere bei Inhalten, die von Nutzern einvernehmlich verbreitet werden.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.