Achtung, Kinder: Vielleicht ist Bildschirmzeit doch gar nicht so schädlich

1. September 2026

| Lukas Steinberger

Die körperliche Aktivität tut Körper und Geist gut. Bewegungsmangel schadet hingegen, besonders wenn Ruhezeiten vor einem Bildschirm verbracht werden. Eine einfache Botschaft, die jedoch mit einer etwas komplexeren Realität konfrontiert wird: Eine finnische Studie zeigt, dass Kinder, die mehr Zeit mit Smartphones, Fernsehen und PC verbringen, keine kognitiven Defizite in der Adoleszenz aufweisen, sondern im Gegenteil bessere Leistungen bei Tests zur mentalen Verarbeitung erzielen. Die Forschung, veröffentlicht in Pediatric Exercise Science, legt nahe, dass der entscheidende Faktor nicht die Quantität der auf den Geräten verbrachten Zeit ist, sondern die Art der Interaktion und der kognitive Reiz, den digitale Aktivitäten bieten, und dass dies – vermutlich – auch für körperliche Aktivitäten und Aktivitäten im Freien gilt.

Die Studie

Um die Auswirkungen von körperlicher Aktivität und der Sedentarität, die mit der Nutzung digitaler Geräte verbunden ist, auf die kognitive Entwicklung der Jugendlichen zu prüfen, griffen die finnischen Forscher auf Daten der Panic-Studie (Physical Activity and Nutrition in Children) zurück, einer Untersuchung in Finnland, die die Folgen von Bewegung und Ernährung von Kindern erforscht. Die Studie verfolgte 124 Mädchen und 136 Jungen von der Kindheit bis in die Adoleszenz. Im Verlauf dieses Zeitraums wurden Aktivitätsniveaus und sedentäre Phasen durch die Verknüpfung periodischer Fragebögen, die den Teilnehmenden vorgelegt wurden, und tragbarer Sensoren gemessen, die gleichzeitig Herzfrequenz und Bewegungen erfassen.

In der Adoleszenz wurden die Teilnehmenden einer Reihe neuropsychologischer Tests unterzogen, die Parameter wie Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit bewerten sollten. Die Analyse der Daten zeigte, dass eine höhere Gesamtexposition gegenüber digitalen Geräten mit besseren kognitiven Leistungen einherging. Ein Befund, der in die entgegengesetzte Richtung der bisherigen Fachliteratur geht, und der nach Ansicht der Autoren so interpretiert werden muss, dass die Art der von modernen Bildschirmen bereitgestellten Stimuli als eine Art Training für das sich entwickelnde Gehirn fungieren könnte, sich deutlich von der rein passiven Nutzung multimedialer Inhalte unterscheidet, die in der Vergangenheit möglicherweise weiter verbreitet war.

Und die körperliche Aktivität?

Die Studie zeichnete auch ein differenziertes Bild in Bezug auf Bewegungsmuster. Bei Mädchen war eine körperliche Aktivität von leichter Intensität, die von Kindheit an konstant blieb, mit einer besseren Arbeitsgedächtnisleistung im Jugendalter assoziiert. Bei Jungen zeigte sich derselbe Nutzen vor allem bei strukturierter und betreuter motorischer Aktivität. Überraschenderweise wurden jedoch niedrige Werte an unbeaufsichtigter körperlicher Aktivität mit besseren Ergebnissen in kognitiven Tests im Jugendalter assoziiert.

„Unsere Forschung deutet darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, sitzendem Verhalten und kognitiven Fähigkeiten komplex ist und vom Geschlecht sowie von der Art der Überwachung abhängt“, schließt Petri Jalanko, Forscher der Universität Jyväskylä und Erstautor der Studie. „Für die Identifizierung kausaler Zusammenhänge und geschlechtsspezifischer Effekte sind jedoch weitere Forschungen erforderlich.“

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.