Vom Motorenbau zu Kanonen: Der VW-Standort wird zur Militäreinrichtung

7. September 2026

| Lukas Steinberger

Vom Autohersteller zur Luftverteidigung. Volkswagen hat ein Umstrukturierungsprojekt für den deutschen Standort Osnabrück im Westen Deutschlands in den Bereich Luftverteidigung angekündigt. Das Ziel der heute, Montag, dem 7. September, in einer Mitteilung angekündigten Operation besteht darin, „einen bedeutenden Teil der langfristig gesicherten Arbeitsplätze“ am betroffenen Standort zu erhalten. Das Unternehmen gab bekannt, eine formelle Vereinbarung mit dem Bundesland Niedersachsen und dem Investmentfonds Aurelius Capital über den potenziellen Verkauf der Tochter Volkswagen Osnabrück GmbH getroffen zu haben, wobei Aurelius die Rolle des Mehrheitsaktionärs übernehmen wird.

Die Partnerschaft mit dem israelischen Unternehmen

Das Projekt sieht eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems vor. Die Kooperation umfasst die Produktion von Systemen und Bauteilen für die Luftverteidigung, die für den Markt Deutschlands und des übrigen Europas bestimmt sind. Nach Angaben von Volkswagen soll diese anfängliche Vereinbarung den Weg für weitere Partnerschaften und andere Industrieprojekte unter dem Dach der neuen Gesellschaft ebnen.

Der deutsche Hersteller hatte bereits im Jahr 2024 die endgültige Einstellung der Fahrzeugproduktion am Osnabrück-Werk bis zum Sommer 2027 vorgesehen: „Das Unternehmen wird den Übergang zur neuen Rechtsform unterstützen und dem Prozess seine industrielle Erfahrung, seine Entwicklungs- und Industrialisierungs-Kompetenzen sowie die bestehenden Infrastrukturen zur Verfügung stellen. Seit 125 Jahren steht das Osnabrück-Werk für industrielle Kompetenz, Flexibilität und die Fähigkeit, Speziallösungen zu realisieren. Aufbauend auf diesen Stärken wird Osnabrück allmählich von einem Kompetenzzentrum für die Serien- und Spezialfahrzeugproduktion zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen transformiert. Die bestehenden Produktionsstrukturen, der hohe Qualifikationsgrad der Belegschaft und die langjährige Erfahrung in Produktion, Qualität und Industrialisierung bilden die notwendige Grundlage für diese Entwicklung“.

„Das Plan – heißt es in der Mitteilung – sieht vor, dass Aurelius als Mehrheitsaktionär die Volkswagen Osnabrück GmbH zusammen mit dem Bundesland Niedersachsen übernimmt. Aurelius und das Land Niedersachsen beabsichtigen, den Standort in den ersten Jahren zu einem Kompetenzzentrum für Lösungen im Bereich Sicherheit und Verteidigung zu transformieren. Als erstes Referenzprojekt sehen Aurelius und das Land Niedersachsen eine Zusammenarbeit mit Rafael Advanced Defense Systems vor. Diese Pläne sehen eine potenzielle Produktion von Systemen und Bauteilen für Luftverteidigungssysteme vor, die für Deutschland und Europa bestimmt sind. Während Rafael seine technologische Kompetenz und seine langjährige Erfahrung im Bereich moderner Luftverteidigungssysteme einbringen würde, würde die Belegschaft von Osnabrück eine zentrale Rolle beim Start der Produktionsaktivitäten und bei der Industrialisierung der Produktion spielen. Die Zusammenarbeit zielt zudem darauf ab, den Weg für weitere Partnerschaften und Projekte unter dem Dach des neuen Unternehmens zu ebnen“.

Die Arbeitsplätze

Die Ankündigung der Umstrukturierung folgt nur wenige Tage dem historischen Abkommen zwischen den Aktionären und den Vertretern der Arbeitnehmer zur Umsetzung massiver Kostensenkungsmaßnahmen innerhalb des Konzerns, die vor allem darauf abzielen, die Marke Volkswagen zu sanieren, die durch die Krise der Automobilbranche angeschlagen ist. Der Betriebsrat von Volkswagen hat die Wende positiv aufgenommen und betont, dass die Lösung stabile Zukunftsperspektiven für fast 1.400 Beschäftigte bietet, was etwa drei Vierteln der derzeit 1.800 am Standort Osnabrück Beschäftigten entspricht.

Darüber hinaus rechnet der Betriebsrat angesichts der erwarteten natürlichen Abgänge in den kommenden Jahren durch Vorruhestand und regulären Ruhestand damit, dass der theoretische Personalbestand des neuen Kompetenzzentrums sich auf rund 1.200 Arbeitsplätze belaufen wird. Für dieses Personal wurde eine Beschäftigungsgarantie vereinbart, die bis Ende 2029 gültig bleibt. Aurelius Capital, der Fonds, der die Transaktion lenkt, hat seinen Sitz in Tel Aviv, Israel, und ist auf die Entwicklung fortschrittlicher Technologien in den Bereichen Verteidigung, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und kritische Infrastruktur spezialisiert.

„Volkswagen übernimmt Verantwortung gegenüber Osnabrück“, kommentierte Oliver Blume, Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen-Gruppe. „Mit der heutigen Vereinbarung gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung Eröffnung einer neuen industriellen Zukunft für das Werk. Die Beschäftigten in Osnabrück haben mehrfach gezeigt, welches Können, welche Flexibilität und welches Engagement dieses Werk zu bieten hat. Auf diese Stärken kann sich das Werk auch künftig verlassen.“

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.