„Der Chilene“: Bomben, Blut und Terror vom chilenischen Putsch bis ins Italien der bleiernen Jahre
Auf diesen Seiten haben wir erst vor wenigen Wochen darüber gesprochen, anlässlich des Kinostarts von L’hangar rosso, zu welchen der am stärksten erzählten Eckpunkte der jüngeren Geschichte der Putsch in Chile gehört, der am 11. September 1973 stattfand. Nun, wieder im Kino, aber ab dem 27. August, kommt auch «Il Cileno», ein von Sergio Castro-San Martin inszenierter Film, der bei der letzten Ausgabe des Locarno-Festivals vorgestellt wurde und von jenem traumatischen Kapitel des südamerikanischen Landes ausgeht, um einen roten Faden aus Blut, Schießpulver und Machenschaften der Macht zu zeichnen.
Worum geht es bei Il Cileno
Vom Chile, das in die Hände von Pinochet gefallen ist, kommt Aldo (Camilo Arancibia) als sozialistischer Exilant an, der der Umklammerung durch das Militär entkommen will und seine Frau und sein neugeborenes Kind verlassen muss, um Zuflucht in Italien zu suchen. Ein Ort, den er nicht kennt, in dem er politische Zuflucht zusammen mit seinem langjährigen Freund El Chapa (Andrew Bargsted) hofft, während er sich zwischendurch in der Fabrikarbeit durchschlägt.
Aber jemand wie Aldo, der Sprengstoffe sehr gut beherrscht und so verzweifelt ist, ist eine begehrte Ware, auf die viele ein Auge werfen. Sogleich (und vielleicht ein wenig zu hastig, wie der Film es darstellt) wird er in ein von den Spannungen der Jahre des Bleis gezeichnetes Turin gejagt, verstrickt im tödlichen Spiel von Wächter und Dieb zwischen Polizei und Terroristen, hin- und hergerissen zwischen Politik und Mafia. Er wird von Luciana (Sara Serraiocco) angesprochen, einer Universitätsprofessorin, die in anarchistische Kreise verstrickt ist und sich für die Rechte der Frauen einsetzt, die ihn in den interventionistischen Bereich der außerparlamentarischen politischen Milieus einführt.
Eine zu rigider formaler Rahmen
Das Drehbuch von Castro-San Martin, gemeinsam mit Simona Nobile, macht dem Protagonisten und dem Publikum etwas vor, lässt aber im Hintergrund die Konturen der großen Motive hinter den Geschäften verwischen, in die Aldo hineingezogen wird, als Figur in einem Muster, in dem oft verborgene Beweggründe wirken.
Durch den Protagonisten, der zunächst nur versucht, den Kontakt zu seiner Familie wiederherzustellen, durch seine Verwirrung und seine zunehmende Ausnutzung, zeichnet Il Cileno die Züge eines städtischen Low-Voltage-Thrillers, mit dem die Unruhen in Italien untersucht werden, dessen prekäre Lage eng mit dem Drama verknüpft ist, in das Chile gestürzt ist, aus dem Aldo geflohen ist.
Zu diesen Absichten, die sich ebenso in dem immer aktuellen und viel zu oft vergessenen Drama der physischen und mentalen Entwurzelung des Immigranten spiegeln, verbirgt sich jedoch bis zu einem gewissen Grad der Aufbau der historischen Rekonstruktion und des narrativen Rahmens.
Der Versuch der szenischen Nachbildung ist nicht ganz verheimlicht; er balanciert zwischen der Formrigidität, die von Castro-San Martin vorgegeben wird, und dem allgemeinen Stocken der Darsteller, die sich auf dem Minenfeld von Nüchternheit und Zurückhaltung bewegen müssen.
Es ist eine starre Haltung, die nicht ganz zündet; dem Film fehlt außerdem ein echter dramatischer Höhepunkt, ein tieferer Reflexionsschub. Eine demütige und im Grunde kohärente Haltung mit den Absichten einer gemessenen Interpretation dieser Geschichte und dieser Figuren, die aber letztlich Il Cileno mit einem trockenen Hals und einer übermäßigen Ernsthaftigkeit zurücklässt.
Bewertung: 5
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