SAIC setzt auf Spanien: Großfabrik für 120.000 Autos – doch Sánchez hat nun ein Problem

23. August 2026

| Lukas Steinberger

Das Vorhaben des chinesischen Auto­mobil­riesen SAIC, in Ferrol (Spanien) ein Mega-Werk zu errichten, versetzt die spanischen Geheimdienste in Alarmbereitschaft. Sie sehen die Nähe des neuen Industriezentrums zu einer strategischen Marinebasis, die Kriegsschiffe beherbergt und auch als Anlegestelle für verbündete Schiffe genutzt wird, nicht gern. Als ob das nicht schon heikel genug wäre, befindet sich in unmittelbarer Nähe außerdem eine Werft der spanischen militärischen Schiffbauindustrie.

Warum dem neuen Autofabrik-Standort der spanische Geheimdienst nicht gefällt

Die chinesische Fabrik würde am Eingang zu einer Bucht entstehen, durch die zwingend jedes Militärschiff passieren muss, um in die Basis und die Werftanlagen einzufahren bzw. auszufahren. Die Angelegenheit ist ernst. Laut Informationen aus El Mundo besteht die Gefahr, dass Spanien von der NATO und der Europäischen Union nicht mehr als sicherer Hafen betrachtet wird. Denn die chinesische Präsenz am Eingang der Bucht würde eine nahezu tägliche Kenntnis der Bewegungen der spanischen Fregatten und ihrer Technologien bedeuten. Für Militärkreise und die NATO bedeutet die Präsenz einer chinesischen Einrichtung in so unmittelbarer Nähe tatsächlich ein erhöhtes Risiko von Spionageaktivitäten, da Peking – von der Europäischen Union als systemischer Rivale eingestuft – die Bewegungen der Fregatten eng beobachten könnte.

Rund 1.000 Arbeitsplätze und jährlich 120.000 Autos

Für Sánchez ist das kein kleines Problem. Doch das Vorhaben ist zu wichtig, um scheitern zu dürfen. Die neue Fabrik soll jährlich rund 120.000 Fahrzeuge unter der Marke MG produzieren und mindestens 1.000 Arbeitsplätze schaffen (540 in der Produktion und 460 in der Logistik). Ganz zu schweigen von dem Zuliefererbereich. Das Unternehmen plant außerdem, im Laufe der Zeit die Lieferanten und Komponenten, die in Galizien hergestellt werden, zu erhöhen. Um die bürokratischen Abläufe des Projekts zu beschleunigen, hat die Regionalregierung von Galicien einen Notfallplan aktiviert. Ziel ist es, die Eröffnung bis 2028 zu realisieren. Für den chinesischen Konzern ist die Produktion in Europa essenziell, um die EU-Zölle auf von China importierte Elektrofahrzeuge zu umgehen und den europäischen Markt direkt zu beliefern, wo die Marke MG allein bereits über 300.000 Verkäufe erzielt hat.

Sánchez setzt auf das Abkommen

Sánchez setzt alles daran, das Abkommen zu schützen. Es ist zudem kein Geheimnis, dass der spanische Regierungschef dem Drachen gegenüber nicht allzu skeptisch, sondern mit einer gewissen Nachsicht begegnet. Bei einem Besuch Pekings im vergangenen April hat Sánchez China aufgefordert, sich „ Europa gegenüber zu öffnen“ und die „neue multipolare Ordnung“ als Antwort auf die Aggressivität von Donald Trump zu bekräftigen. Die Linie des sozialistischen Premiers bleibt daher von größter wirtschaftlicher Offenheit gegenüber Peking geprägt. Ziel ist es, Spanien als privilegierten Partner für chinesische Kapitalströme in Europa zu positionieren.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.