Die Krise der europäischen Automobilindustrie scheint sich in vollem Umfang zu manifestieren. Nach den Schwierigkeiten von Volkswagen und Stellantis – deren Bilanzen sich zwar verbessern – hat auch BMW einen umfassenden Restrukturierungsplan bestätigt. Reuters und Handelsblatt berichteten von rund 8.000 Arbeitsplätzen, die abgebaut würden, bevor die Quartalszahlen des Münchner Konzerns bekannt wurden; nicht gute Aussichten.
Das Problem liegt in China
Die Restrukturierung kommt nach einem schwierigen Halbjahr. In den ersten sechs Monaten 2026 lieferte die BMW Group 1,16 Millionen Fahrzeuge aus, 4,2% weniger als im Vorjahreszeitraum. Europa und Nordamerika wuchsen jeweils um 5,4% bzw. 3,9%, doch China verzeichnete einen Rückgang von 20,4%. Allein im zweiten Quartal betrug der Rückgang in China 30,2%.
In China leidet BMW unter dem Wettbewerb lokaler Marken, die es schaffen, Autos in kürzeren Entwicklungszyklen und zu aggressiveren Preisen im gleichen Marktsegment zu entwickeln. Laut GlobalData-Daten, zitiert von Reuters, machen Pure-EV etwa 5% der BMW-Verkäufe in China aus, während der Anteil der Elektroautos am gesamten chinesischen Markt rund 46% erreicht hat.
Neue wirtschaftliche Zahlen, nicht gut: auch Trumps Zölle spielen eine Rolle
BMW-Gewinne fallen deutlich. Im zweiten Quartal erzielte der Konzern einen Jahresüberschuss nach Steuern von lediglich 1,2 Milliarden Euro, 35% weniger als im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern mitteilte. Auch der Umsatz fiel deutlich von 34 auf 31 Milliarden Euro. Es ist ein schwierigem Debüt für den neuen Vorstandsvorsitzenden von BMW, Milan Nedeljkovic, der Mitte Mai von der Produktionsleitung an die Spitze des Unternehmens wechselte.
Der Druck ist besonders in der Automobil-Sparte spürbar: Die operative Marge fiel im zweiten Quartal auf 2,3%. Laut BMW haben Zölle rund 1,25 Prozentpunkte von der Marge abgezogen. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern mit einer Automobil-Marge von 1% bis 3% und einem deutlichen Rückgang des Gewinns vor Steuern. Das ist weit entfernt vom strategischen Ziel von 8–10%, das BMW zu Beginn des nächsten Jahrzehnts wieder erreichen möchte.
Die Mitarbeiter zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses aufgefordert
Der Konzern bestätigte ein Personalrestrukturierungsprogramm, das freiwillige Abfindungen umfasst. Unternehmensnahe Quellen sprechen von einer globalen Reduktion, die bis Ende 2027 abgeschlossen werden soll, durch Pensionierungen, Nicht-Ersetzung der Ausscheidenden und freiwillige Vereinbarungen. In Deutschland wären vor allem administrative und Entwicklungsbereiche betroffen, nicht die Mitarbeitenden an den Produktionslinien.
Ende 2025 zählte BMW weltweit 154.540 Beschäftigte; 8.000 Abgänge entsprächen damit etwas mehr als 5% der Belegschaft. Laut Informationen der deutschen Medien könnten ab Oktober 2026 rund 40.000 der 85.000 unbefristet Beschäftigten in Deutschland ein individuelles Angebot erhalten.
Der Finanzvorstand Walter Mertl gab die Richtung vor: „Unser Ziel ist es, die Komplexität zu reduzieren und eine nachhaltig niedrigere Kostenbasis zu schaffen“. Laut Handelsblatt könnte der Plan ab 2028 Einsparungen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr bringen.
Die Restrukturierung geht über künstliche Intelligenz
Die Gruppe will KI auch stärker in Verwaltung, Produktentwicklung und Datenanalyse einsetzen. Ziel ist es, Abläufe zu automatisieren, Organisationsschritte zu reduzieren und Entscheidungswege zu verkürzen.
Im industriellen Bereich will BMW die Standardisierung von Bauteilen und Plattformen erhöhen, Technologien, Antriebe und Varianten in den einzelnen Märkten überdenken und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen ausweiten. Bei Beschaffungen wird die Local-for-Local-Logik dominieren: Produktion und Lieferkette näher an den VerkaufsMärkten positionieren.
Waren 15 Milliarden, jetzt im Sturzflug: Das erste Großunternehmen, das von KI überrollt wird
Italien verfügt über eine historische Lieferkette für die deutschen Automarken; dies könnte eine neue Entwicklungschance darstellen. Gleichzeitig könnten Aufträge sich aber auch auf eine engere Zahl von Anbietern konzentrieren. Die Unsicherheit ist hoch.
Was bedeutet das für Italien
Derzeit wurden keine Abbauzahlen bei BMW Italia angekündigt. Der italienische Standort verzeichnet rund 830–850 Beschäftigte, verteilt auf BMW Italia, BMW Bank, Alphabet und BMW Roma. Die Tätigkeiten umfassen Vermarktung, Finanzdienstleistungen, Vermietung, Mobilität und Einzelhandel.
Goldene Abfindungen auch in Italien: 27 Monate Gehalt, ohne Beschäftigung (und hier ist es)
Der italienische Markt verzeichnete positive Zahlen: In den ersten sechs Monaten 2026 erzielten BMW und Mini zusammen 50.410 Neuzulassungen, ein Anstieg von 6,2%. Die Marke BMW legte um 2,4% auf 40.684 Einheiten zu, während Mini um 25,6% zulegte und 9.726 Fahrzeuge erreichte. Die Elektrofahrzeuge der beiden Marken wuchsen um 14,3% auf 4.232 Einheiten. Das Wachstum der Gruppe lag dennoch unter dem italienischen Automobilmarkt, der im Halbjahr um 9,6% zulegte. BMW hält jedoch eine solide Position im Luxussegment, nachdem das Jahr 2025 mit 89.486 Zulassungen abgeschlossen wurde – einschließlich Mini – was einem Zuwachs von 7,4% gegenüber 2024 entspricht.