Als Kellner/in 1.000 Euro verdienen – die Hälfte geht für Miete drauf, ich kann nichts sparen

6. September 2026

| Lukas Steinberger

Die hohen Mietpreise machen sich auch in Barcelona bemerkbar. El Mundo erzählt zwei unterschiedliche Geschichten, die dennoch denselben gemeinsamen Nenner haben: die Schwierigkeit, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Laut dem neuesten Fotocasa-Bericht liegt der durchschnittliche Preis für ein Zimmer bei 632 Euro pro Monat, und in keinem Viertel sinkt er unter 550 Euro. Für österreichische Leser mag das auch an Wien erinnern, wo der Mietmarkt ähnlich angespannt ist.

Paga 550 euro al mese per una stanza fatiscente: „Bisogna farsene una ragione“

Darío ist 42 Jahre alt und wohnt im Viertel El Carmel im Norden der Stadt. Er hat einen Master in Internationalen Beziehungen, doch in seinem Bereich fand er keine beruflichen Perspektiven. Er ist kein gebürtiger Spanier und wartet noch auf die Staatsbürgerschaft. Um über die Runden zu kommen, macht er einen Kurs, um Cabify-Fahrer zu werden. 

Vor acht Monaten begann er, nach einer neuen Wohnung zu suchen. „Ich hatte ein anfängliches Budget von 350 oder 400 Euro“, erzählt er. Ohne einen stabilen Vertrag war es schwierig, ein Dach über dem Kopf zu finden. Am Ende musste er sich mit einem alten Zimmer zufriedengeben, das er über einen Kontakt seines Bruders als Untermieter bekam. Er zahlt 550 Euro im Monat. „Man muss sich damit abfinden“, sagt er. Denn „am Ende hat man keinen Ort, zu dem man gehen kann, oder man macht so weiter oder man schläft draußen in einem Zelt auf der Straße“. Seine Zukunft kann er sich jedoch nicht in Barcelona vorstellen: „Ich will nicht, dass das mein Leben für die nächsten acht Jahre ist, und auch nicht mit 50 Jahren in einer Wohnung zu wohnen, in der mir das Leben keinen Spaß macht“.

La storia di Sebastián: „Guadagno 1.000 euro, ne pago 530 di affitto“

Sebastián ist 24 Jahre alt und kam im vergangenen April aus Chile nach Spanien. Er ist Psychologe und studiert in Barcelona einen Master in Humanressourcen. Die Begegnung mit der Stadt war traumatisch: Er hatte vor der Abreise ein Zimmer gefunden, doch die Buchung wurde am Tag seiner Ankunft in Spanien storniert. Verzweifelt nahm er ein Zimmer in Les Corts für 550 Euro im Monat.

Dann zog er in ein anderes Viertel. Heute zahlt er 530 Euro plus etwa 50 Euro Nebenkosten. Um zu leben, arbeitet er als Kellner. „Ich arbeite 25 Stunden pro Woche und verdiene 1.000 Euro“ erzählt er El Mundo. „Also gehen mehr als 50% meines Gehalts in die Miete, ich kann kein Geld sparen.“ Seine Geschichte ist eine von vielen. Immer teurere Mieten und Gehälter, die stagnieren. Auch in Italien kennen wir das Phänomen. „In Barcelona zu leben ist bereits jetzt unmöglich“, sagt er, „die Leute ziehen in andere Städte… aber wie weit wird dieses Phänomen gehen? Was ist das Limit?“.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.