Der Euro bereitet sich darauf vor, sein Erscheinungsbild zu verändern. Die Europäische Zentralbank hat die zehn finalen Entwürfe eines internationalen Wettbewerbs vorgestellt, der zur Realisierung der neuen Banknotenserie führen wird, und gleichzeitig eine öffentliche Konsultation eröffnet, die allen Bürgerinnen und Bürgern der Europäischen Union offensteht. Zum ersten Mal seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 werden die Banknoten vollständig neu gestaltet, mit dem Ziel, sie sicherer, nachhaltiger und stärker repräsentativ für die europäische Identität zu machen.
Die zehn Vorschläge und die Umfrage unter europäischen Bürgerinnen und Bürgern
Die zehn Vorschläge sind in zwei thematische Linien unterteilt, die von der EZB nach einer öffentlichen Konsultation ausgewählt wurden, die in den vergangenen Jahren gestartet wurde: „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“. Fünf Entwürfe widmen sich dem ersten Thema, fünf dem zweiten.
Im Themenstrang „Europäische Kultur“ ehren die neuen Banknoten einige der Persönlichkeiten, die die kulturelle und wissenschaftliche Geschichte des Kontinents geprägt haben. Unter ihnen befinden sich Ludwig van Beethoven, ausgewählt für den Zehn-Euro-Schein, und Marie Curie, vorgeschlagen für den Zwanzig-Euro-Schein. Jede Banknote verbindet eine bedeutende Figur der europäischen Kultur mit Orten und Aktivitäten, die die Verbreitung von Wissen, Kunst und gemeinsamem Kulturerbe widerspiegeln.
Der zweite thematische Strang, „Flüsse und Vögel“, zielt darauf ab, den natürlichen Reichtum Europas zu repräsentieren. Die Banknoten zeigen verschiedene Vogelarten und Flusslandschaften, Symbole der Bewegungsfreiheit und des Wegfalls geografischer Grenzen innerhalb des Kontinents. Auf der gegenüberliegenden Seite finden sich Bilder der europäischen Institutionen, um die Verbindung zwischen Natur, Zusammenarbeit und Gemeinschaftsprojekt zu betonen.

Nun liegt die Entscheidung auch in den Händen der Bürgerinnen und Bürger. Die EZB hat tatsächlich eine Online-Umfrage eröffnet, die bis zum 21. September 2026 offen bleibt. Alle Europäerinnen und Europäer werden aufgefordert anzugeben, welche der Vorschläge sie bevorzugen, und die Beweggründe für ihre Wahl zu erläutern. Parallel dazu wird von einem spezialisierten Unternehmen eine zweite Umfrage anhand einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung des Euro-Währungsgebiets durchgeführt.
Lagarde: „Banknoten stärken unsere gemeinsame Identität“
„Die Banknoten in Euro sind nicht nur ein Zahlungsmittel: Sie sind eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas“, sagte die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde. „Indem sie Schönheit und Bedeutung verbinden, festigen sie unsere gemeinsame Identität.“
Das Erneuerungsprojekt war bereits im Jahr 2021 angekündigt worden und trat im Juli 2025 in die operative Phase ein, als ein offener Wettbewerb für Grafikdesigner aus der gesamten Europäischen Union gestartet wurde. Bei der Auswahl nahmen über 1.200 Designer teil, von denen 25 eingeladen wurden, eigene Vorschläge zu entwickeln. Eine unabhängige Jury aus 21 Experten aus allen Ländern des Euro-Währungsgebiets identifizierte schließlich die zehn finalen Entwürfe.

Die endgültige Entscheidung über das neue Design soll bis Ende 2026 getroffen werden. Der EZB-Rat wird das Urteil der Jury, die Ergebnisse der Umfragen und technische Bewertungen berücksichtigen, bevor das siegreiche Projekt gewählt wird. Anschließend wird der Entwurf weiter ausgearbeitet und Tests unterzogen, bevor eine Produktion erfolgt.

Die neuen Banknoten werden erst in den kommenden Jahren in Umlauf kommen und parallel zu den derzeit im Umlauf befindlichen weiterhin gültig bleiben. Neben einer neuen grafischen Erscheinung werden der zukünftigen Serie fortschrittlichere Sicherheitsmerkmale gegen Fälschungen eingeführt, Merkmale, die das Erkennen auch für Menschen mit Sehbehinderungen erleichtern sollen, sowie Materialien, die widerstandsfähiger und nachhaltiger sind, mit dem Ziel, die Umweltbelastung der Produktion zu verringern und die Haltbarkeit der Banknoten zu verlängern.