Der Volkswagen-Konzern steckt in einer tiefen Krise. Und das kommt ein wenig überraschend, da Arbeiterinnen und Arbeiter nur wenige Tage zuvor stark protestiert hatten. Der Aufsichtsrat des Autoherstellers hat einstimmig den vom Vorstand vorgelegten Sanierungsplan angenommen, mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und sie nachhaltig für die Zukunft zu sichern. Die Abstimmung fand in den letzten Stunden in einer Notversammlung statt, die in Wolfsburg, Deutschland, dem Hauptsitz des Unternehmens, abgehalten wurde – einen Tag früher als ursprünglich geplant.
Weitere 50.000 Arbeitsplätze
Die Devise ist eindeutig: die Krise des Unternehmens durch eine radikale Senkung der Kosten zu bewältigen. Der Plan sieht – wie von Reuters berichtet – unter anderem vor, weitere 50.000 Arbeitsplätze abzubauen, einschließlich einiger Führungspositionen, zusätzlich zu den bereits in den letzten Monaten angekündigten Kürzungen. „Angesichts des zunehmenden globalen Wettbewerbsdrucks, der Entwicklung der Nachfrage und des technologischen Wandels in der Automobilbranche ist eine signifikante Anpassung der Produktionskapazität erforderlich, um die wirtschaftlichen Realitäten widerzuspiegeln“, erklärte der Konzern.
Der Aufsichtsrat, der dem Rettungsplan zugestimmt hat, setzt sich zur Hälfte aus Arbeitnehmervertretern und zur anderen Hälfte aus Vertretern der Aktionäre zusammen: Er überwacht die Arbeit des Vorstandes und des Aufsichtsrats und genehmigt die wichtigsten Entscheidungen, insbesondere jene, die die Beschäftigten betreffen.
Volkswagen teilte in einer Mitteilung mit, dass der weltweite Personalabbau „notwendig gewesen sei, um die Transformationsziele der Gruppe zu erreichen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“. Der europäische Autohersteller hatte bereits angekündigt, bis 2030 in Deutschland 50.000 Arbeitsplätze streichen zu wollen; insgesamt würden damit rund 100.000 Entlassungen etwa 15 % der Belegschaft der Gruppe ausmachen. Derzeit wurden keine Details zu Zeitplänen dieser weiteren Reduzierungen, noch zur territorialen Verteilung und zu den Marken genannt.
Seat-Ausstieg?
Der Personalabbau wäre jedoch nicht die einzige Neuerung bei Volkswagen. Laut dem deutschen Fachmagazin „Wirtschaftswoche“ plant der Vorstand offenbar, die spanische Marke Seat, gegründet in den 1950er-Jahren vom spanischen Staat und Fiat und später an die deutsche Gruppe verkauft, vom Markt zu nehmen. Die Schließung wäre spätestens bis Ende 2029 vorgesehen. Ein VW-Sprecher, der von der deutschen Zeitung dazu befragt wurde, dämpfte die Erwartungen: „Interne Unterlagen werden in den zuständigen Gremien diskutiert und genehmigt. Wir kommentieren diesen Prozess nicht vorzeitig.“ Die Gruppe würde stattdessen auf die Marke Cupra setzen, die Seat inzwischen deutlich in den Verkaufszahlen übertroffen hat.
Die Zukunft der Standorte
Unabhängig davon sind die großen Entscheidungen bei Volkswagen noch nicht abgeschlossen. Der Aufsichtsrat hat die Existenz einer Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa anerkannt und festgestellt, dass es derzeit nicht möglich ist, eine wettbewerbsfähige Produktionsauslastung für die Zukunft sicherzustellen, verteilt auf die Jahre 2031 bis 2034, für vier deutsche Werke: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Für diese vier Standorte, die von einer Schließung bedroht sind, prüft der Konzern alternative Nutzungen, so die Mitteilung.