Die Europäische Union verschärft ihre Haltung nach den Anschuldigungen Berlins gegen Moskau. Nach Angaben der deutschen Polizei und des Geheimdienstes steckt Russland hinter den im August am Flughafen Leipzig/Halle gefundenen Drohnen mit Sprengstoff. „Ich möchte ganz klar sagen, dies war ein Angriff mit militärischem Material, durchgeführt von einer russischen Operation in europäischem Territorium. Das tolerieren wir nicht“, sagte Ursula von der Leyen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission sprach vor der Presse gemeinsam mit dem Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, vor dem Treffen in Brüssel.
Von der Leyen: „Leipzig markiert eine Eskalation“
Von der Leyen betonte, dass diese „Einschüchterung nicht funktionieren wird, die EU und die NATO sind vereint“. Die Präsidentin der Europäischen Kommission sicherte außerdem zu, dass „nicht nur wir den Druck auf Russland hochhalten, sondern ihn auch erhöhen werden“. „Wir können weitere Sanktionen gegen Russland in Erwägung ziehen; wir müssen alle von Moskau genutzten Schlupflöcher schließen“, so sie. Zudem fügte sie hinzu, dass „wir jedes Mitgliedsland unterstützen, das von Russland ins Visier genommen wird“.
Für von der Leyen markiert Leipzig „eine neue Eskalation im Gebiet der EU. Die Europäer stehen vor der harten Wahrheit, dass dies die neue Normalität ist. Wir müssen die Anstrengungen verstärken.“ Der versuchte Angriff „gehört zu einem größeren Muster immer gefährlicherer Vorfälle: wiederholte Luftraumverletzungen, Drohnen, die unsere Flughäfen lahmlegen, Eingriffe in unsere kritischen Infrastrukturen“, so die Politikerin. Für die Präsidentin der Kommission müssen die Europäer bereit sein „schneller und besser auf die Verantwortlichkeit Russlands zu reagieren, wir müssen unsere Alltagsinfrastrukturen wie Frontlinienziele behandeln und sie entsprechend schützen“.
Mark Rutte ergänzte, dass Russland in dem Krieg gegen die Ukraine „immer rücksichtsloser“ geworden sei. So sehr, dass „sie auch Nato-Territorien ins Visier nehmen“. „Unsere Einheit ist unerschütterlich. Russland irrt sich, wenn es glaubt, uns zu spalten; es macht uns nicht Angst“, schloss der Generalsekretär der NATO.
Costa: „Hybride Bedrohungen ändern die EU-Position nicht“
„Diese Bedrohungen, hybrider Natur oder nicht, werden die Haltung der Europäischen Union nicht verändern“, sagte der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, bei einer Pressekonferenz mit dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Luc Frieden. „Wir werden die Ukraine weiterhin unterstützen, unabhängig von den Drohungen, die Russland uns entgegenstellt“, bestätigte Costa, der ergänzte, dass „Krieg nicht der Weg zum Frieden ist, ebenso wenig die Eskalation. Im Gegenteil ist der Weg zum Frieden der Waffenstillstand“.
Zwei Verdächtige identifiziert
Am 4. August wurde eine Drohne mit Sprengstoff in der Nähe eines ukrainischen Antonov-Flugzeugs gefunden. Das Flugzeug, mit Wahrscheinlichkeit das Ziel des Angriffs, gehört vermutlich zu einem der Transportkorridore, die von Kiew genutzt werden. Der Zwischenfall am Flughafen Leipzig/Halle führte zur Sperrung des Flughafens, währenddessen hob eine Frachtmaschine der DHL ab. Das Flugzeug kollidierte daraufhin mit einer weiteren Drohne, vielleicht einer Aufklärungsdrohne der Operation. Zehn Tage später wurde eine dritte Drohne entdeckt und in der Nähe auch Sprengstoffmaterialien gefunden. Die Ermittler haben nun zwei Verdächtige mit Verbindungen nach Russland identifiziert. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, handelt es sich um einen russischstämmigen Mann mit lettischem Pass und einen belarussischen Mann mit russischem Pass.
Bild: „Der Belarusse hatte ein italienisches Touristenvisum“
Nach Berichten von Bild soll der belarussische Staatsbürger mit russischem Pass, der für den Angriff auf den Flughafen Leipzig verdächtigt wird, mit einem italienischen Visum in den Schengen-Raum eingereist sein. Allerdings berichtet LaPresse, der Belarusse sei Italien nie betreten. Die Einordnung der Pressekommentare wurde so von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas kommentiert: „Dies dürfte auch einigen Mitgliedstaaten, die bisher gegen Visabeschränkungen waren, die Argumente liefern.“ Italien gilt jedoch als eines der skeptischsten Länder gegenüber dieser Maßnahme, weil sie Auswirkungen auf den Tourismusfluss befürchten.