Auch Spanien wird Social Media für Minderjährige unter 16 Jahren verbieten

11. Februar 2026

| Lukas Steinberger

Die fortschrittliche spanische Regierung übernimmt die Position mancher Länder weltweit und beschließt, die Nutzung sozialer Medien durch Minderjährige unter 16 Jahren zu verbieten. Das kündigte heute Ministerpräsident Pedro Sánchez beim World Government Summit in Dubai an und stellte fünf Maßnahmen vor, mit denen Madrid darauf abzielt, die Missbräuche der großen digitalen Plattformen zu bekämpfen und eine sichere digitale Umgebung zu gewährleisten. Unter diesen Maßnahmen hob der spanische Regierungschef auch eine Regel hervor, nach der die Führungskräfte der sozialen Netzwerke persönlich verantwortlich gemacht werden sollen für Hassrede auf ihren Plattformen.

Das Vorhaben

Die Regierung von Madrid wird Minderjährigen unter 16 Jahren den Zugang zu digitalen Plattformen verbieten und die Plattformbetreiber verpflichten, wirklich verlässliche Alterseinstufungs-Systeme zu implementieren. Es handelt sich um eine Maßnahme, die im Gesetzentwurf zum Schutz Minderjähriger in digitalen Umgebungen vorgesehen ist, der von der Regierung angenommen wurde und sich derzeit im spanischen Kongress befindet. Auf diese Weise zielt die Sánchez-Regierung darauf ab, die Leiter der Plattformen, die Inhalte, die gegen das Gesetz verstoßen und zur Hassrede aufrufen, rechtlich zur Verantwortlichkeit zu ziehen. Indem der Premier erneut „Nulltoleranz gegenüber jeglicher Form von Zwang“ betont, erklärte er außerdem, dass die Manipulation von Algorithmen und die Verstärkung illegaler Inhalte als Straftatbestand eingestuft werden sollen.

So fügt sich Spanien in die Liste von Ländern ein, darunter Großbritannien, Portugal und Frankreich, die eine Verschärfung der Regeln für soziale Medien prüfen. Die Debatte hat sich verschärft, nachdem im Dezember Australien das erste Land der Welt wurde, das Minderjährigen unter 16 Jahren den Zugang zu Plattformen verbot. Gleichzeitig prüfen Regierungen und Aufsichtsbehörden weltweit die Auswirkungen der Bildschirmzeit auf Kinder, insbesondere auf Entwicklung und psychische Gesundheit.

„Koalition der digitalen Freiwilligen“

Spanien stellt sich jedoch an die Spitze einer neuen europäischen Front bei der Kontrolle digitaler Plattformen. Die spanische Regierung kündigte die Bildung der sogenannten „Koalition der digitalen Freiwilligen“ an, eine strategische Allianz mit fünf weiteren europäischen Ländern, die darauf abzielt, die Koordination und Verschärfung der Anwendung der Web-Regularien sicherzustellen. Das erklärte Ziel ist klar: Die Durchsetzung der grenzüberschreitenden Regulierung zu stärken und die Grenzen einzelner nationaler Rechtsordnungen zu überwinden. Die neue Koalition wird in den kommenden Tagen ihr erstes operatives Treffen abhalten. Allerdings bleibt die genaue Zusammensetzung des Bündnisses rätselhaft: Sánchez hat nicht dargelegt, welche anderen fünf Staaten beteiligt sind.

Die Initiative fügt sich in den Rahmen des Digital Services Act (DSA) der EU ein, der Anfang 2024 vollständig in Kraft trat. Obwohl die Verordnung Plattformen zu strengen Moderationspflichten verpflichtet, weisen Kritiker auf die wachsenden Spannungen zwischen verantwortungsvoller Governance und Risiken der Zensur hin.

Der Angriff auf die „Techno-Kaste“

Es ist nicht das erste Mal, dass der sozialistische Spitzenpolitiker harte Töne gegen die Giganten des Silicon Valley anschlägt. Bereits im letzten Jahr hatte er die Eigentümer der sozialen Netzwerke frontal angegriffen und sie als eine „Techno-Kaste“ bezeichnet, die durch skrupellosen Einsatz von Algorithmen die Gesellschaft vergifte.

Durch die rasante Entwicklung der generativen Künstlichen Intelligenz verschärft sich die harte Haltung von Sánchez. Die Debatte wurde schärfer nach dem Skandal rund um Grok, dem KI-Chatbot von X, dem sozialen Netzwerk von Elon Musk. Grok stand im Mittelpunkt einer harten politischen und öffentlichen Verurteilung, weil er Nutzern hilft, sexuell explizite und nicht einvernehmliche Fotos und Videos aus echten Bildern zu erzeugen (Deepfakes), in denen auch Minderjährige zu sehen sind. Der spanische Regierungschef gab bekannt, dass die Regierung mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten werde, um mögliche Verstöße von Grok, TikTok und Instagram zu prüfen, und verwies auf den Fall der Verbreitung von Millionen sexuell sexualisierter Bilder von Frauen, der bereits von der Europäischen Kommission untersucht wird.

X (noch immer) im Blick der Europäischen Union: Brüssel eröffnet Untersuchung zu Grok-Sex-Deepfakes

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.