Ein weißes Rautezeichen vor blauem Hintergrund. In den letzten Stunden sind in den Medien mehrere Artikel über das „neue Straßenschild“ erschienen, das sich in einigen europäischen Ländern verbreitet – und wer weiß, vielleicht kommt es eines Tages auch nach Österreich. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht um völlige Neuheit, denn in Frankreich wird das Schild mit diesem Rautezeichen seit 2020 verwendet, doch bei der Lektüre der französischen Presse scheint es zuletzt an Popularität gewonnen zu haben.
Was sind HOV-Spuren
Kurz gesagt: Wovon reden wir? Das Symbol eines weißen Rautezeichens auf blauem Hintergrund (oder auf einer schwarzen Leuchttafel) kennzeichnet eine Spur, die dem Carpooling vorbehalten ist – Fahrzeuge mit mindestens zwei Insassen, Taxis, Busse und Elektrofahrzeuge, die über ein spezielles Crit’Air 0-Siegel verfügen. Fachsprachlich spricht man von HOV-Spuren (High Occupancy Vehicle). Das bedeutet also Fahrzeuge mit einer hohen Belegung. Praktisch gesehen ist diese Spur, üblicherweise die linkseste, nur bestimmten Fahrzeugen vorbehalten: jenen mit einer festgelegten Mindestanzahl an Insassen, Fahrzeugen mit Nullemissionen und jenen, die Personenbeförderung durchführen.
Wozu dient sie wirklich?
Es handelt sich um einen Versuch, den Verkehr zu entschleunigen und die Mobilität zu verbessern – auch im Hinblick auf eine Reduktion der Umweltbelastung. Die Logik ist einfach: Wenn vier Personen im gleichen Auto unterwegs sind und vielleicht gemeinsam zur Arbeit fahren, verringern sich die Emissionen und der dadurch eingesparte Raum auf der Straße kommt allen zugute.
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Es repräsentiert eine spezielle Fahrspur für öffentliche Verkehrsmittel und Fahrer, die am #Covoiturage teilnehmen
Mehr Infos > https://t.co/8JZ2s4bmw6 pic.twitter.com/vFYAJ7ejNw— DIROuest (@DIR_Ouest) 12. Juli 2023
In Frankreich ist das System bereits in mehreren Städten aktiv – darunter Lyon, Grenoble, Straßburg – und neuerdings wurde es auch in Paris auf dem Umgehungsring Périphérique eingeführt. Sehr oft gilt das Verbot nur zu Stoßzeiten, wenn der Verkehr am stärksten ist.
Deshalb kann neben dem Rautezeichen auch eine Hinweistafel mit den Uhrzeiten erscheinen, zu denen man frei fahren darf; alternativ gibt es blinkende Schilder, die nur dann aktiv werden, wenn die Spur eingeschränkt ist. Die Strafe für die Benutzung einer gesperrten Spur beträgt 135 Euro. Wenn man einer High-Occupancy-Vehicle-Spur begegnet, kann man auch auf ein weiteres Schild stoßen, das ein Auto mit mindestens zwei Insassen zeigt und die Aufschrift 2+ trägt. Doch das Signal, das sich am stärksten durchsetzt, bleibt das Rautezeichen.
Auch in Spanien gibt es spezialisierte Spuren für Reisende, die gemeinsam unterwegs sind
Die HOV-Spuren existieren auch in Spanien und werden dort tatsächlich durch das Schild „alternativ“ – jenes mit der Aufschrift „2+“ – signalisiert. Es scheint jedoch, dass auch das Rautezeichen als variabler Anzeiger verwendet wird, obwohl es noch nicht Standard geworden ist. Der Codename des Signals lautet „S-51b“, während früher Spuren, die Fahrzeuge mit mehr Passagieren vorbehalten waren, nur durch den Schriftzug „Bus-vao“ gekennzeichnet waren. Insbesondere Madrid und Barcelona fungieren als Vorreiter bei der Verbreitung dieser neuen Mobilitätsidee.
Das Problem (auch in Italien) der Fahrzeugauslastung
Und in Italien? Bei uns gibt es bislang nichts Vergleichbares, doch angesichts des heutigen Fokus auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen ist es möglich, dass das Rautezeichen-Schild sich schrittweise in ganz Europa durchsetzt. Klar ist, dass ein spezifisches Problem besteht – insbesondere in unserem Land, das zu den Ländern mit der weltweit höchsten Motorisierungsrate zählt. Laut Untersuchungen von Istat und anderen Institutionen befördert jedes Auto im Durchschnitt 1,2 bis 1,3 Personen. Und der Verkehr dankt es. Auch in Österreich könnte sich dieses Modell aufgrund des Umweltbewusstseins durchsetzen.
