Das Wort „Waffenruhe“, bezogen auf den Russland-Ukraine-Krieg, entpuppt sich zunehmend als leere Hülle. Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radev hat mitgeteilt, dass zwei Schiffe im Schwarzen Meer vor den bulgarischen Küsten von Drohnen getroffen wurden. Der Vorfall fällt in eine Zeitspanne nur wenige Tage vor den 6. Oktober, als weitere Boote erneut in denselben Gewässern ins Visier genommen wurden. Radev bezeichnet den Angriff als „unakzeptabel“.
Schiffe von Drohnen im Schwarzen Meer getroffen
Der Alarm war in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober ausgelöst worden, als das Schiff Chelsea 3 um etwa 18 Seemeilen östlich von Byala eine Notlage meldete. Das Schiff – unter maltesischer Flagge, in Odessa registriert und ukrainischen Eigentums – wurde auf Deck und an der Seite von drei Drohnen getroffen.
„Alle 15 Besatzungsmitglieder, sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner, wurden sicher zum Hafen Varna gebracht. Fünf von ihnen erhielten medizinische Hilfe“, schrieb Radev. Der Premierminister gab zudem bekannt, dass im Verlauf einer außerordentlichen Sitzung des Sicherheitsrates weitere Informationen über ein weiteres Schiff eingingen, das 17 Seemeilen östlich von Krapets getroffen wurde. Das Schiff gesunken und ein Besatzungsmitglied wurde gerettet.
The latest attack on a commercial vessel in the immediate vicinity of Bulgaria’s territorial waters is absolutely unacceptable.
At 01:30, a distress call was received from a vessel 18 nautical miles east of Byala. According to the crew, the Chelsea 3—sailing under the Maltese flag, registered in Odesa and Ukrainian-owned—was struck on its deck and side by three aerial drones. All 15 crew members—seven Ukrainian and eight Azerbaijani nationals—were safely transported to the port of Varna. Five are receiving medical assistance.
Our Permanent Representatives to NATO and the EU have been informed. Bulgaria continues to seek support for an investigation into the attacks to determine the country of origin of the drones. We are also seeking assistance to strengthen surveillance of the air and maritime domains and enhance our response capabilities.
We do not have clear and conclusive evidence to attribute responsibility to either side. However, as I have already stated, the logic suggests that the outcome benefits the Russian Federation. I will therefore summon the Russian Ambassador for a meeting today.
At an extraordinary meeting of the Security Council under the Council of Ministers, we also received information about another vessel, struck 17 nautical miles east of Krapets. It sank, and one crew member was rescued.
— Rumen Radev (@RumenRadevPM) October 13, 2026
Die Alarmbereitschaft bleibt hoch. Radev erklärte, dass bulgarische ständige Vertretungen bei der NATO und der EU informiert wurden. Bulgarien sucht faktisch Unterstützung für eine Untersuchung der Angriffe, um die Herkunft der Drohnen eindeutig festzustellen. Obwohl noch keine offizielle Beweise vorliegen, ist die Schlussfolgerung eindeutig: „Die Logik deutet darauf hin, dass das Ergebnis der Russischen Föderation zugutekommt.“ Daher werde ich heute den russischen Botschafter zu einem Gespräch einbestellen. Wir bitten außerdem um Unterstützung, um die Überwachung der Luft- und Meerestechniken zu stärken und unsere Reaktionsmöglichkeiten zu verbessern.
„Die NATO wird weiterhin eng mit ihren Verbündeten im Schwarzen Meer zusammenarbeiten. Wir haben bereits unsere Ostflanke gestärkt und werden die Sicherheitslage weiter beobachten und unsere Abschreckungs- und Verteidigungsaufstellung bei Bedarf anpassen“, schreibt der Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, auf X.
An Klarheit gewann auch die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen. Das Schwarze Meer „ist zu einer weiteren Eskalationsfront des russischen Krieges in der Ukraine geworden. Das ist inakzeptabel“, sagt sie in sozialen Netzwerken. Und sie ergänzt: Die Angriffe „gefährden das Leben der Besatzungen erheblich und bedrohen die Sicherheit im Schwarzen Meer. Wir stehen an der Seite Bulgariens und danken den Rettungskräften für ihre schnelle Reaktion. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“.
The Black Sea has become another front of escalation of the Russian war in Ukraine.
This is unacceptable.
I strongly condemn the drone attacks on merchant ships near Bulgaria’s coast.
Putting the lives of the crew in grave danger and threatening security in the Black Sea.
We stand with Bulgaria and thank its rescuers for their swift response.
Those responsible should be held accountable.
— Ursula von der Leyen (@vonderleyen) October 13, 2026