Ryanair: Flugzeug in Österreich wegen einer Schuld in Höhe von 890 Euro beschlagnahmt – Fluggesellschaft bestreitet: Alle Flugzeuge sind einsatzbereit

17. März 2026

| Lukas Steinberger

Ein Flugzeug im Wert mehrerer zwanzig Millionen Euro wurde wegen einer Forderung von lediglich 890 Euro beschlagnahmt. Es ist der ungewöhnliche Rechtsfall, der die Billigfluggesellschaft Ryanair in Österreich betrifft, bei dem ein Gericht laut lokaler Presse die einstweilige Beschlagnahme eines Flugzeugs am Flughafen Linz angeordnet haben soll, um die einer Passagierin zustehende Rückerstattung zu sichern.

Der Flug und die Verzögerungsstunden

Der Fall geht auf einen Flug zurück, der im Juli 2024 mit einer Verzögerung von über 13 Stunden gestartet ist. Die Frau, die von Linz nach Palma de Mallorca zusammen mit zwei weiteren Personen fliegen sollte, entschied sich nach einer langen Wartezeit, die Reise aufzugeben und sich ein neues Ticket aus eigener Tasche zu kaufen. Zwischen den zusätzlichen Kosten des neuen Fluges, der gemäß europäischer Regelung vorgesehenen Entschädigung und den im Laufe der Zeit aufgelaufenen Zinsen belief sich die Gesamtsumme auf rund 890 Euro.

Laut Aussage des Rechtsanwalts der Passagierin, dem österreichischen Anwalt Georg Wageneder, habe die Fluggesellschaft die Rückerstattung trotz Mahnungen nie gezahlt. Daher kam der Fall vor das Bezirksgericht Traun, das angeblich den Beginn des Vollstreckungsverfahrens zur Rückforderung der Summe genehmigt haben soll.

Die „Pfändung“ auf der Startbahn

Am vergangenen Montag, dem 10. März, soll ein Vollstreckungsbeamter zusammen mit dem Rechtsanwalt der Passagierin und dem Flughafenpersonal auf der Startbahn des Flughafens Linz erschienen sein. Ziel war es, den ausstehenden Betrag direkt einzuziehen.

In einem ersten Schritt soll die einfachste Lösung versucht worden sein: den Piloten des Flugzeugs zu bitten, die Schuld vor Ort zu begleichen. Der Kapitän soll sich zwar bereit erklärt haben zu zahlen, jedoch nur mit Karte. Das Problem ist, dass bei Ryanair-Flügen Zahlungen ausschließlich elektronisch erfolgen und es keine Kasse mit Bargeld gibt, aus der man Geld entnehmen könnte. Der Vollstreckungsbeamte konnte daher den Betrag nicht einziehen.

Zu diesem Zeitpunkt soll laut Berichten die drastischste Maßnahme eingeleitet worden sein: die Beschlagnahme des Flugzeugs. Auf dem Flugzeug, einer Boeing 737 der irischen Fluggesellschaft, wurde ein Etikett angebracht, das die offizielle Pfändung des Vermögenswerts kennzeichnet – ähnlich wie bei Fahrzeugen oder Immobilien, die einer Zwangsvollstreckung unterliegen.

Ryanair: „Kein Flugzeug beschlagnahmt“

Die irische Fluggesellschaft bestreitet jedoch die Darstellung. Auf Anfrage mehrerer europäischer Medien erklärte Ryanair, dass keines ihrer Flugzeuge beschlagnahmt worden sei und alle Flugzeuge weiterhin regulär operieren würden.

Ein Sprecher betonte, dass das am Flugzeug angebrachte Etikett lediglich ein „Standard-Verwaltungsaufkleber“ sei und dass das betroffene Flugzeug voll einsatzfähig geblieben sei.

Gleichwohl berichten mehrere lokale Medien und einige Bilder, die vom Rechtsanwalt der Passagierin verbreitet wurden, dass das Siegel tatsächlich von einem vom Gericht autorisierten Vollstreckungsbeamten angebracht worden sei. Auch der Flughafen Linz bestätigte, dass das Personal des Flughafens den zuständigen Beamten während der Operation begleitet habe.

Der Fall erinnert auch an die europäischen Regeln zu den Rechten der Fluggäste. Nach der EU-Verordnung 261/2004 haben Reisende Anspruch auf eine Entschädigung, die bei Kurzstreckenflügen bis zu 250 Euro betragen kann, wenn die Verspätung drei Stunden überschreitet, außer in außergewöhnlichen Umständen.

Im Fall der österreichischen Passagierin betrug die Verspätung rund 13 Stunden. Nachdem sie den Flug aufgegeben und ein teureres Ersatzticket gekauft hatte, forderte sie von der Fluggesellschaft die Rückerstattung der Entschädigung und der zusätzlichen Kosten. Da sie diese nicht erhielt, wandte sie sich an das Gericht.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.