Plan von Letta und Draghi wird Realität: Europa stellt den neuen „EU Inc“-Plan vor

20. März 2026

| Lukas Steinberger

Die Europäische Kommission hat „Eu Inc.“ als Vorschlag vorgestellt – ein Entwurf, der von Parlament und Rat der Europäischen Union bis Ende dieses Jahres diskutiert werden soll –, um einen neuen Steuerrahmen zu schaffen, wie ihn Enrico Letta entworfen hat und der auch von Mario Draghi unterstützt wird. Ziel ist es, die aktuelle Situation zu beheben, in der Unternehmen mit 27 nationalen Rechtsordnungen und über 60 verschiedenen Rechtsformen konfrontiert sind. Die Kommission weist darauf hin, dass diese Komplexität die Gründung eines Unternehmens um Wochen oder sogar Monate verzögern, das Wachstum bremsen, Kosten erhöhen und Expansionspläne entmutigen kann.

Die Eu-Inc.-Unternehmen werden weniger kosten

Im Unterschied zur Societas Europaea, die als „für große Unternehmen“ konzipiert war und ein Mindestkapital von 200.000 Euro vorsah, richtet sich dieses Modell gezielt an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie an Start-ups, die rasch wachsen wollen und dabei den Binnenmarkt nutzen möchten, der derzeit durch die Rechtsfragmentierung zwischen den 27 Mitgliedstaaten blockiert ist. Die Hoffnung ist, dass innerhalb von etwa zehn Jahren in der EU mehr als 300.000 Unternehmen die Rechtsform Eu Inc. wählen werden, auch dank einer schnelleren Registrierung: Ein Eu Inc.-Unternehmen könnte innerhalb von 48 Stunden gegründet werden, mit Kosten unter 100 Euro und ohne Mindestkapitalanforderungen in der gesamten EU. Die Regeln werden vereinfacht: Eu Inc.-Unternehmen müssen Geschäftsangaben nur einmal vorlegen, über eine EU-weite Schnittstelle, die die nationalen Handelsregister verbindet.

Eu-Inc.-Unternehmen erhalten ihre steuerliche Identifikationsnummer und die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, ohne erneut Unterlagen in jedem Land vorlegen zu müssen, in dem sie tätig sind. Die Transaktionen, so die Kommission, werden vollständig digital sein: Die Geschäftsprozesse werden von Anfang an digital gestaltet – während des gesamten Lebenszyklus des Unternehmens.

Welche Probleme könnten auftreten

Aus Sicht des Insolvenzrechts, dessen Fragmentierung entlang nationaler Linien eine weitere enorme Barriere für die Entwicklung von Unternehmen im Binnenmarkt darstellt, werden Eu-Inc.-Unternehmen Zugang zu vollständig digitalen Abwicklungsverfahren erhalten. Innovative Start-ups würden, so die Kommission, bei Annahme des Vorschlags Zugang zu vereinfachten Insolvenzverfahren erhalten, um die Beendigung der Aktivitäten zu erleichtern.

Eu-Inc sollte außerdem die formalen Präsenzpflichten reduzieren, digitale Verfahren für Finanzierungstransaktionen vorsehen und den Transfer von Anteilen vereinfachen. Es wird nicht mehr die Notwendigkeit geben, Vermittler für Anteilsübertragungen und Abwicklungsverfahren heranzuziehen. Der Vorschlag ermöglicht es zudem den Mitgliedstaaten, Eu-Unternehmen den Zugang zur Börse zu eröffnen: Eu-Inc-Unternehmen könnten notieren, sofern die Staaten dies zulassen. Die Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten in einer Empfehlung, spezialisierte Gerichte für Eu-Inc einzurichten.

Um innovativen Unternehmen die Anziehung von Talenten zu ermöglichen – die EU kann fiskalische Hebel nicht nutzen, da dies nationale Kompetenz bleibt – können Eu-Inc-Unternehmen europaweite Aktienoptionspläne für Mitarbeitende einführen, die nur auf die beim Verkauf erzielten Erträge besteuert werden. Eu-Inc-Unternehmen würden frei wählen können, in welchem Mitgliedstaat sie sich gründen. Der Vorschlag enthält eine Schwarze Liste verbotener Praktiken, um sicherzustellen, dass EU-Unternehmen wie jede andere nationale Firma behandelt werden.

Nach Ansicht der Kommission seien „starke Garantien“ gegen Missbrauch vorgesehen: Die nationalen Arbeits- und Sozialgesetze würden durch den Vorschlag nicht berührt. Sie würden für Eu-Inc-Unternehmen genauso gelten wie für andere Unternehmen. Die Garantien des Staates, in dem das Unternehmen registriert wird, würden vollständig auf die Eu-Inc übertragen, auch in Bezug auf Mitbestimmung. Ein weiterer interessanter Aspekt für Gründer ist, dass Eu-Inc-Unternehmen verschiedene Aktienklassen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen oder Stimmrechten schaffen können, was Gründern helfen könnte, sich vor feindlichen Übernahmen zu schützen.

Nach Aussage von Präsidentin Ursula von der Leyen besitzt Europa das Talent, die Ideen und den Willen, der Ort zu werden, an dem Innovatoren am besten gedeihen. Dennoch stehen europäische Unternehmer, die ihr Geschäft erweitern wollen, heute vor 27 Rechtsordnungen und mehr als 60 nationalen Rechtsformen. Mit Eu Inc. machen wir es deutlich einfacher, ein Unternehmen in ganz Europa zu gründen und zu wachsen. Jeder Unternehmer wird in der Lage sein, ein Unternehmen innerhalb von 48 Stunden zu gründen, von jedem Ort der Europäischen Union aus – vollständig online. Dieser entscheidende Schritt ist erst der Anfang. Unser Ziel ist klar: Ein Europa, ein Markt, bis 2028.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.