Paar in der Wohnung von Dieben entführt – Mit Messer bedroht, zahlt 900.000 Euro Lösegeld zur Freilassung

22. März 2026

| Lukas Steinberger

In Haus von Dieben festgehalten, aber nicht wegen Familienjuwelen oder Bargeld, das sie in Schubladen versteckt hatten. Die drei Männer, die in eine Einfamilienvilla in Chesnay-Rocquencourt, im Département Yvelines, Frankreich, eindrangen, wollten einen digitalen Schatz stehlen: 900.000 Euro in Bitcoin. Dieser exorbitante Betrag, den ein Investorenpaar in den sechzigern gezwungen war zu zahlen, um freizukommen.

Der digitale Schatz

Wie die französischen Medien berichten, fand der brutale Raub am Morgen des gestrigen Montags, dem 9. März, statt. Die Ruhe der beiden Ehepartner wurde vom Klingeln der Haustürklingel gestört, kurz vor 8 Uhr. Die Täter, die sich als Polizeibeamte ausgaben, nutzten das Vertrauen der Opfer, um die Schwelle zu überschreiten. Von diesem Moment an begann der Albtraum, und ihr Zuhause verwandelte sich in eine Falle. Die drei Räuber, mit Kapuzen und Handschuhen, überwältigten die Frau heftig am Boden, bevor sie ins Obergeschoss dirigierten und das Büro des Ehemanns suchten. Die drei Männer suchten nicht nach einem Metall-Tresor, sondern nach den Zugangsschlüsseln zum digitalen Wallet.

Die von den Ermittlern geschilderte Szene ist erschütternd: Einer der drei Männer hielt der Kehle der Ehefrau ein Messer an und drohte, sie zu töten, falls die Übertragung der Bitcoins nicht erfolgreich gelingen würde. Alles geschah unter der Anleitung einer vierten Person, einer Art „Regisseur“, der per Funk oder Telefon verbunden war und technische Anweisungen gab, um sicherzustellen, dass die Gelder nicht verloren gingen.

Flucht und Ermittlungen

Nachdem das digitale Geld erlangt war, fesselten die Täter auch den Mann mit einem Kabel und flohen dann, wobei sie auch die Mobiltelefone der beiden Opfer mitnahmen. Das Trio verschwand in einem weißen Transporter, der vor dem Haus geparkt war. Nur wenige Stunden später konnte der Hausbesitzer sich befreien, zu den Nachbarn gehen, um Hilfe zu rufen, und die Polizei zu verständigen. Die am Ort eingesetzten Ermittler durchsuchten die Räumlichkeiten der Villa sorgfältig nach Hinweisen oder Spuren der Täter. Die Untersuchung wegen Entführung durch eine organisierte Gruppe und bewaffneter Erpressung wurde der Abteilung Gegenbanden zugewiesen.

Vorgeschichte in Frankreich

In der Tat ist Chesnay-Rocquencourt kein Einzelfall, sondern das jüngste Kapitel einer Terrorwelle, die Frankreich durchzieht, ein Phänomen, das als physisches Crypto-Jacking oder „Wrench Attack“ bekannt ist. Am Abend des Freitags, dem 9. Januar, wurden ein Kryptowährungs-Investor und seine Familie in ihrem Haus in Verneuil-sur-Seine, wiederum im Yvelines, gefesselt und verprügelt. Wenige Monate zuvor, in La Rochelle, wurde ein weiterer Investor zwei Stunden lang festgehalten und musste die astronomische Summe von 8 Millionen Euro übergeben.

In den letzten zwei Jahren haben sich in Frankreich die Fälle von Entführungen im Zusammenhang mit Kryptowallets gehäuft, oft in Form spektakulärer Kidnappings. Ein Zeichen dafür, dass auch die Kriminalität sich verändert und weiterentwickelt. Während früher Raubüberfälle auf Banken fokussiert waren, studieren heutige Täter Unternehmensregister und soziale Netzwerke, um die „neuen Reichen“ der Kryptowährungen ausfindig zu machen. Es ist eine Jagd, die zwischen IT-Codes und brutaler Gewalt verläuft, so sehr, dass die Regierung mit Dringlichkeitsverordnungen darauf reagiert hat, sensible Investoren-Daten aus den öffentlichen Registern zu schwärzen.

Lukas Steinberger

Lukas Steinberger

Ich bin Lukas Steinberger, Redakteur bei AUSTRIA24 TV mit Fokus auf Politik und Gesellschaft. Nach meinem Journalismusstudium in Wien habe ich für verschiedene Medien gearbeitet und mich auf analytische Berichterstattung spezialisiert. Mein Ziel ist es, komplexe Themen verständlich zu machen und die Perspektiven der Menschen sichtbar zu machen.