Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat die Festnahme von sechzehn Personen beantragt, darunter Universitätsprofessoren, Universitätsdozenten, Lehrkräfte sowie einige Manager und Angestellte von IT-Unternehmen. Den Beschuldigten wird in unterschiedlicher Form vorgeworfen, eigenständige Korruption und eine Beeinträchtigung der Freiheit des Verfahrens zur Vergabe von Aufträgen begangen zu haben. Die Untersuchungen konzentrieren sich vor allem auf Sizilien und Kampanien.
Nach Angaben der europäischen Staatsanwälte Gery Ferrara und Amelia Luise hätten die Lehrkräfte die Einrichtungen, an denen sie tätig waren, dazu bewegt, Lieferungen von Gütern und Dienstleistungen an bestimmte IT-Firmen zu vergeben. Im Gegenzug hätten sie eine Art echte „Schatzkammer“ erhalten, bestehend aus Smartphones, Smart-TVs, PCs und weiteren Geräten, die privat genutzt oder an Familienangehörige und bekannte Personen verschenkt wurden.
Der Ursprung der Untersuchung
Das Verfahren (an dem derzeit Vorverhöre stattfinden, nach denen der Haftrichter über den Antrag auf Untersuchungshaft entscheiden wird) geht auf die Ermittlungen zurück, die im Jahr 2023 zu Hausarrestationen führten, darunter Daniela Lo Verde, Leiterin der Falcone-Schule im Zen-Viertel von Palermo, bekannt für ihr antimafiales Engagement, zusammen mit ihrem Stellvertreter und einer Angestellten der Firma R-Store Spa. Die Schulleiterin soll neben dem Zurückhalten eines Teils der Mittel für die Mensa auch mit europäischen Geldern (daraus ergibt sich die Zuständigkeit der EPPO) Computer und Geräte für die Schülerinnen und Schüler im Geschäft der Angestellten von R-Store erworben haben und im Gegenzug Handys und Computer für sich und ihre Familien erhalten haben. Dies, so die Anschuldigungen, welche natürlich alle zu klären bleiben.
Der Ausbau der Untersuchung
Die Enthüllungen der Angestellten des Geschäfts haben es den Richtern ermöglicht, die Untersuchung auszuweiten und herauszufinden, dass dasselbe illegale Muster auch an einigen Fakultäten der Universitäten und Schulen in Neapel wiederholt worden sein soll. Nach Ermittlerangaben habe die R-Store, „stets auf Gewinn aus, angelockt von den Möglichkeiten der europäischen Mittel des PN RR für Bildungseinrichtungen“, die Grenzen eines gewöhnlichen Handelsbetriebs überschritten.
Ein als entscheidendes Element der Ermittlungen geltendes Faktum ist das Verhalten von Lehrenden und Forschern, die den Erwerb der Produkte des betroffenen Unternehmens vorgeschrieben hätten und im Gegenzug iPhones im Wert von rund 2.000 Euro, Einkaufsgutscheine, Drucker und Smart-TVs erhalten hätten.